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Dolomiten

Die Motorrad-Reviere in den Dolomiten

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Die Dolomiten sind für viele das schönste Motorradrevier der Welt: bleiche Felstürme, die senkrecht aus grünen Almen ragen, dazwischen ein dichtes Netz von Pässen, die sich zu perfekten Runden verbinden lassen. Kein anderes Gebirge packt so viele große Straßen auf so kleinen Raum. Was die einzelnen Ecken ausmacht, steht hier.

Die Sellaronda – vier Pässe um einen Berg

Abendlicht am Sellajoch
Abendlicht am Sellajoch

Das Herzstück ist die Sellaronda, die Runde um den Sellastock über vier Pässe: Grödnerjoch (Passo Gardena, 2.121 m), Sellajoch, Pordoijoch und Campolongo. Das Grödnerjoch windet sich in engen Kehren zwischen Sella und Cirspitzen hinauf, der Sellajoch schiebt die Straße direkt unter die senkrechten Wände des Langkofels. Man kann die Runde in beide Richtungen fahren, und von jedem Punkt öffnet sich ein anderer Blick auf Sella-, Langkofel- und Puezgruppe. Zwei Hinweise: Die Pässe sind zu Stoßzeiten oft überlastet, und bei Radveranstaltungen werden die Straßen zeitweise ganz gesperrt — am Sellajoch gibt es zudem im Sommer autofreie Tage, an denen keine Motorfahrzeuge hinaufdürfen. Wer früh fährt, hat die Kehren für sich.

Die Große Dolomitenstraße – Bozen bis Cortina

Die Straße über das Sellajoch
Die Straße über das Sellajoch

Die klassische Durchquerung ist die Große Dolomitenstraße von Bozen über den Karerpass mit dem leuchtend grünen Karersee, weiter durch das Fassatal und über den Pordoi nach Arabba. Von dort führt der Falzarego hinüber nach Cortina d'Ampezzo, dem mondänen Hauptort. Auf der Passhöhe des Falzarego zweigt der Valparola nach Norden ins Gadertal ab und öffnet den Blick auf die Fanesgruppe. Diese Achse reiht die schönsten Ausblicke der Dolomiten aneinander und ist die ideale erste Tour, wenn man das Gebirge noch nicht kennt.

Passo Giau – Cortinas schönster Übergang

Sellajoch
Sellajoch

Wer von Cortina nach Süden abbiegt, landet auf dem Passo Giau (2.236 m), der in rund 29 Kehren zwischen den Zacken von Ra Gusela und Nuvolau hindurchklettert. Die Straße ist enger und ruhiger als die Sellarunde, der Belag griffig, die Kurvenfolge ohne Verschnaufer — ein Pass, der ganz oben mitspielt und trotzdem seltener verstopft ist als die großen vier. Er verbindet Cortina mit dem Val Fiorentina und lässt sich mit Falzarego und Valparola zur kompakten Runde rund um die Tofane schließen.

Marmolada & Fedaia – Gletscher und Stausee

Pfarrkirche Wolkenstein in Gröden
Pfarrkirche Wolkenstein in Gröden

Die Marmolada ist mit ihrem Gletscher die „Königin der Dolomiten" und der höchste Gipfel des Gebirges. Über ihre Nordflanke führt der Passo Fedaia, dessen Passhöhe der türkisgrüne Stausee Lago di Fedaia unter der Gletscherwand füllt. Er verbindet das Fassatal bei Canazei mit dem Agordino und ist die kurze, steile Verbindung zwischen Sellaronda und den südlichen Tälern. Die Auffahrt aus dem Osten zieht mit brutalen Rampenstücken hinauf — kein Gemütlichkeitspass, aber die Kulisse aus Eis und Fels ist einmalig.

Die ladinischen Täler – Gröden, Fassa, Alta Badia

Weltkriegsmuseum Forte Tre Sassi
Weltkriegsmuseum Forte Tre Sassi

Zwischen den Pässen liegen die ladinischen Täler mit ihrer eigenen Sprache und Kultur: Gröden (Val Gardena) mit seiner Holzschnitzkunst, das Fassatal und die Alta Badia. Sie sind die Standquartiere für die Passrunden — von hier startet man morgens, bevor der Verkehr einsetzt, und kehrt abends zurück. Die Talstraßen selbst sind gut ausgebaut und verbinden die Pass-Ausgangspunkte, sodass sich fast beliebige Kombinationen fahren lassen.

Würzjoch – der stille Verbinder

Abseits der großen Runden lohnt das Würzjoch (Passo delle Erbe), das Gröden und das Villnösstal mit dem Gadertal verbindet. Die schmale Straße führt unter dem markanten Peitlerkofel hindurch durch Wälder und offene Almen, weit weniger befahren als die Sella-Pässe. Wer den Kolonnen am Grödnerjoch entgehen will, nimmt hier den landschaftlich ebenbürtigen Umweg — enge Kurven, kaum Verkehr, große Aussicht.

Drei Zinnen & Sextner Dolomiten – der ikonische Osten

Östlich von Cortina liegt das Wahrzeichen der Dolomiten: die Drei Zinnen (Tre Cime di Lavaredo) in den Sextner Dolomiten. Über den Bergsee von Misurina führt eine mautpflichtige Panoramastraße hinauf zur Auronzohütte direkt unter den drei Türmen — die klassische Rampe für das Postkartenmotiv. Der ganze Raum um Auronzo und das Sextental ist weiter, grüner und ruhiger als das Sella-Zentrum und eine eigene Reise wert, wenn man mehr als die Kernrunde fahren will.

Die Trentiner Dolomiten – Rolle, San Pellegrino, Valles

Im Süden, schon im Trentino, wartet eine eigene Passrunde vor der Kulisse der Pale di San Martino. Der Passo Rolle (1.984 m) steigt von San Martino di Castrozza in weiten Kehren zu diesem gewaltigen Felsmassiv auf, der Passo Valles und der Passo San Pellegrino hängen sich als kurvige Verbinder an und lassen sich mit dem Fedaia zur großen Südschleife koppeln. Die Ecke ist waldreicher, weniger mondän und deutlich weniger befahren — ein Kontrastprogramm zum Trubel der Sellaronda.

Krieg, Grappa und Nachbarn – Geschichte und Anschlüsse

Die Dolomiten waren Frontgebirge: Der Gebirgskrieg 1915–1918 hat Stellungen, Tunnel und Freilichtmuseen hinterlassen, die man entlang der Pässe findet. Am Südrand zur venezianischen Ebene ragt der Monte Grappa auf, ein Aussichtsberg mit einer der kurvenreichsten Auffahrten der Region und schwerer Geschichte aus demselben Krieg. Von hier reicht Südtirol nach Westen über den Vinschgau bis zum Stilfser Joch, dem höchsten Straßenpass der Ostalpen; im Süden grenzt das Trentino an, im Osten die Karnischen Alpen. Wer mehr als eine Woche hat, verbindet die Dolomiten mit den benachbarten Gruppen zu einer der großen Alpenrunden.

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